Hausärzte fehlen

Hausärzte fehlen, weil im Gesundheitssystem immer weniger zusammengearbeitet und nach einer Synthese gesucht wird!

In seinem hoch interessanten Vortrag („Bewusstsein, Sprache, Magie und andere unbegreifliche Alltäglichkeiten“, 1994 beim Frankfurter Ring) sagte Heinz von Foerster sinngemäß:

„Im englischsprachigen und im französischen Raum wird der Begriff Wissenschaft mit science übersetzt, im italienischen heißt es scientia.

Während der deutsche Begriff Wissenschaft sich vielfältig, neutral gibt, erkennt man in den beiden anderen einen Prozess. Leiten sie sich doch vom indogermanischen Wortstamm „schi/ski – schneiden, trennen, abtrennend, auch griechisch σχίζειν s’chizein „spalten, zerspalten, zersplittern“ ab. Auch zu finden in den Worten Schere, Schisma, Skalpell, Schizophrenie (dort gespaltenes Phren- Zwerchfell, von und φρήν phrēn „Geist, Seele, Gemüt, Zwerchfell“)! Vulgär natürlich auch in den sehr häufig gebrauchten Wörtern – Shit und Scheiße!“

Heinz von Foerster, der Mitbegründer der kybernetischen Wissenschaft galt als Sokrates des kybernetischen Denkens; er starb 2002 in Pescadero, Kalifornien. Dieser 1911 geborene Philosoph und Physiker entwickelte als einer der ersten erkenntnistheoretische Ansätze zur Komplexität und Vernetzung. Endlich dürfen wir fragen, ob nach dem Mechanizismus von Descartes und einer ‚zur unverbindlichen Zersplitterung neigenden Medizin‘ nicht endlich mehr eine ganzheitliche Synthese zu fordern ist.

Damit kann (wieder) das Interesse auf die zu-hörende Medizin auf Augenhöhe mit den Patienten geweckt und verstärkt werden. Mit geistiger, statt alleinig materiell-apparativer Zuwendung wird den Generalisten im System, den Hausärzten wieder neue Attraktivität und die ihnen zukommende Bedeutung gegeben!

Dezentes Funktionelles verliert gegen spektakulär Strukturelles, so auch bei den Medien: „Only bad news are good news „, statt differenzierter Aufklärung über funktionelle Zusammenhänge nur Schlaglichter auf rote Lämpchen, Symptome!

Vordergründiger materieller Profit vor feinem, individuellen Verbreiten von Sinn und Zusammenhang, Konsum von Wissen, statt Zusammenhänge erfassen, verstehen.

In der alltäglichen und unverschämten Zweiklassen-Medizin, die auch politisch blind ist, wird verschleiert, dass es eine ‚horizontale und vertikale‘, eine zweidimensionale Medizin, mit Krankenhaus eine dreidimensionale Versorgung gibt! Ethik oder Monetik? Gut verdient man im Monopol der symptomatischen Behandlung chronischer Krankheiten! Oder?

Was wollen wir und warum wollen wir Veränderung?

1.

Wenn haus- und fachärztliche Medizin getrennt werden, sind – grob gsprochen – HausärztInnen (HÄ) dezentral für GESUNDHEIT, FachärztInnen (FÄ) zentral für KRANKHEIT verantwortlich. Beispiel:

„Feuerwehr/Kaminkehrer“!

HAUSÄRZTE arbeiten klinikfern, mehr mit dem ZU-HÖREN, mit Gesprächen und Informationen ganzheitlich-langfristig, zusammen mit ihren Patienten (24 Std.-Medizin).

Diagnostisch, therapeutisch muss dabei differenziert werden, wie frühzeitig FUNKTIONELL, SYSTEMISCH mit dem Patienten auf Augenhöhe, emanzipatorisch, Ressourcen schonend, nachhaltig-vorsorglich umzugehen ist!

FACHÄRZTE werden kliniknah, mehr kleinräumig, organbezogen am kranken Menschen, mit dem SEHEN auf Befunde wirksam (Sprechstunden – Medizin).

Ihre Arbeit geht symptombezogen, akut, mehr über Sachleistungen STRUKTURELL vor, mittels schwerwiegender, hart geprüfter Mittel und Techniken (Stahl – Strahl – Chemie – im Krankenhaus, auch als Dauertherapie) um Körperfunktionen zu ersetzen oder zu stützen.

Beides ist notwendig und kann nur einander ergänzend Hand in Hand gehen, besser in einer klarer gestaffelten Eigenständigkeit. Oder wer versorgt, überweist, betreut die Menschen, wenn es keine hausärztliche Medizin mehr vor Ort gibt? Von 2003 bis 2014 stellten 2400 Hausärzte in Deutschland ihre Arbeit ersatzlos ein, im gleichen Zeitraum nahmen 7000 Fachärzte ihre Arbeit neu auf! Bei der Unimedizin in Mainz stehen ca.1000 Professoren, Ober-, Fach- und Assistenzärzte aller Fachgebiete für Therapie, Forschung und Lehre neuerdings einem Prof. für Allgemeinmedizin und Geriatrie (??!) mit einer Oberärztin gegenüber!

Mit diesem krassen ‚Mainzer Missverhältnis‘ zwischen „Feuerwehr und Kaminkehrern“, wird das verkehrte (auf den Kopf gestellte) Niederlassungsverhalten in unserem Flächenland deutlich. Anderseits macht es klar, daß bei einer dermaßen überbordenden Versorgung in symptomatischer Medizin, Leid und Kosten heftig steigen!

Das freut nur den medizinisch -industriellen Komplex: Im Saarland gibt es soviel MRT’s wie in Frankreich, in München soviel wie in ganz Italien!

Am deutlichsten wird der Unterschied zwischen hin-HÖRENDER und hin-SEHENDER Medizin, zwischen AKUT-Medizin und hausärztlicher LANGZEITBETREUUNG, vielleicht beim Morbus Alzheimer und bei Autoimmunerkrankungen.

Zur erfolgreichen Therapie von Alzheimer sagt der Arzt Wolfgang Karner ( am 21.09.2016 in der Sendung SWR2 Wissen) „da gehört ganz wesentlich Bewegung dazu, auch Bewegung, wo mal ein Schweißtropfen läuft. Da gehört aber auch Entspannung dazu. Weiterer wichtiger Faktor ist die Ernährung. Der Verzicht auf Zucker, das Reduzieren von Weißmehlprodukten, von Milchprodukten, insbesondere Milchprodukten, die Transfettsäuren enthalten. Es gibt einfach Dinge, die sind, ich sage gerne, hirngesund, und es gibt Dinge, die sind weniger hirngesund. Wir wussten schon aufgrund einer amerikanischen Studie, dass erste Verbesserungen manchmal auch erst nach sechs Monaten auftauchen, und bei unserer Patientin waren so die ersten lichten Momente schon nach drei Monaten. Dass sie sich an den Weg hat erinnern können bei den Wanderungen. Dass sie wieder wusste, welcher Vorrat an Nahrungsmitteln im Keller lagert“.

Undifferenzierte Antibiotika-, Schmerztherapie und Polypragmasie ( 18-20 Medikamente) bei alten Menschen, verursacht weitverbreitet gastrointestinale Probleme.

Wenn die Schleimhaut mit den falschen Bakterien besiedelt werden, entsteht ein Leaky-Gut Syndrom ( diese Diagnose ist in der ICD10 nicht enthalten), gefolgt von Nahrungmittelunverträglichkeiten und verschiedenen Befindlichkeitsstörungen, Nerven-, Gelenk-, Haut- und Darmerkrankungen. Seit 2004 gibt es für dieses Krankheitsbild keine kassenärztlich bezahlte Diagnostik und Therapie! Prof. Alessio Fasano, ein Pädiater aus den USA, machte 2015 auf der 49. Medizinischen Woche in Baden Baden, mit anderen deutlich, dass die sogenannten Autoimmunerkrankungen durch die Missachtung des Leaky-Gut Syndroms entstehen können!

Es muss zu der heute optimalen, fachärztlich – klinischen Ausbildung an den einzelnen Fakultäten endlich ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin geschaffen werden!

Unser Verein GESUNDHEIT und soziale Verantwortung fordert für die hausärztliche Forschung, Lehre und Therapie einen interdisziplinären Lehrstuhl für GESUNDHEIT an jeder Uni!

Hier kann neben der Klinik der deutlich überwiegende Schwerpunkt für die ambulante FUNKTIONELL -SYSTEMISCHE Medizin gesetzt werden!

Hier sehen wir eine Hauptursache für den jetzigen, gravierenden Mangel an Hausärzten und für das Fehlen von entsprechender wissenschaftlicher Aktivität und damit Attraktivität.

Mit der Kritik an der bestehenden Hochschulform könnte man/frau auch gleich zu einer moderneren synergetischen Weiterentwicklung der Hochschule kommen und ein Exzellenz-Cluster „GESUNDHEIT“ einrichten?

Siehe dazu Uni Köln: im Exzellenz-Cluster „Alter“ wurden ca. 20 hochrangige Forscher aus den verschiedensten Fachrichtungen thema tisch zusammengefasst.

2.

Wie und was vergütet wird, sollten unter allgemeiner Beachtung des Gemeinwohls von Volkswirte festlegen werden. Der Arzt/die Ärztin, der für die Gesundheit der Menschen verantwortlich ist, sollte seine Arbeit nicht nach wirtschaftlichen Kriterien ausrichten. Stattdessen sollte er in der Wahl von Diagnostik und Therapie frei sein.

3.

Der Gemeinsame Bundesausschuss, GBA muss demokratisch zusammen gesetzt sein z.B.:

Patienten : HÄ : FÄ : Kassen (10 : 3 : 3 : 5) oder (6:5:5:5)

4.

In den Lehrstühlen für GESUNDHEIT sollten auch sanfte Diagnostik und Therapie gelehrt und beforscht werden: (Psychologie des ) ärztliches Gespräch, Ernährung, komplementäre, mikrobiologische-, orthomolekulare-, Phyto- und Neural-Therapie, Akupunktur mit Pulsdiagnose, Lüscher-Test, HRV, Thermograpie, Proteomik (Lehre von den Proteinen als zellbildenden und -strukturierenden Eiweißen), Sozialmedizin etc.!

In der ambulanten Medizin existieren inzwischen etliche Geräte und Verfahren, die in der Klinik für akute Intervention nicht tauglich sind, in der individuellen Diagnostik und Therapie sich aber als sehr hilfreich erwiesen haben, siehe Weltraummedizin!

5.

Gut ausgebildetes Assistenzpersonal

6.

Deutliche Aufwertung des Kindergarten- und Grundschul-Personals in Ausbildung und Bezahlung

7.

unabhängige Gutachter, die aus einem Topf bezahlt werden, in den die betreffenden Institute und Firmen einbezahlen.

Da in den Medien in erster Linie klinische Medizin vorkommt, entsteht der Eindruck, als gäbe es nur Medizin im Notfall!

(Man muss das Schwimmen als gefährlich hinstellen, dann kann man mehr Ruderboote verkaufen)

Im Gegensatz zum irrealen, nächtlichen Traum kommt man in einer Utopie sehr real, aber „nur“ über drei Bedingungen ( viele Utopien sind schon Wirklichkeit geworden z.B. – Jules Vern: ‚Le Voyage dans la Lune‘- Die Reise zum Mond ):

A: durch etwas Besseres wird mir

B: meine bisherige, unbefriedigende Lage klar, es sollte nun

C: der 3. Schritt folgen: der Weg vom Bisherigen zum Besseren!!!

oder: einfacher: mit Konfuzius: “Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

2017-05-18T21:37:22+00:00