14.8.2018, 19:57 Uhr
SWR Aktuell Rheinland-Pfalz:

Rheinland-Pfalz will Landärzte mit Quote gewinnen

Die rheinland-pfälzische Ampel-Regierung will den drohenden Ärztemangel im Land mit einer sogenannten Landarztquote lindern. Allerdings gibt es Skepsis innerhalb der Koalition.
Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) fehlen zwischen Eifel und Pfalz bis 2022 rund 1.600 Hausärzte. Im Jahr 2015 gab es rund 2.700 Hausärzte in Rheinland-Pfalz. Die Bundesregierung räumt den Ländern ein, bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab für Studenten zu reservieren, die sich für zehn Jahre als Hausarzt auf dem Land verpflichten.
“Wir arbeiten an einem Konzept für Rheinland-Pfalz”, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). “Eine Landarztquote ist kein Allheilmittel, aber es ist eine Möglichkeit mehr.” FDP und Grüne im Landtag zeigen sich jedoch wie auch die Kassenärzte skeptisch.
“Grundsätzlich stehen wir einer Quotenregelung kritisch gegenüber”, sagte FDP-Gesundheitspolitiker Steven Wink, der auch für medizinische Versorgungszentren auf dem Land und Behandlungen per Internet warb. Es gebe eine gute Diskussion mit den Koalitionspartnern. “Uns eint das Ziel, die hochwertige ärztliche Versorgung in den ländlichen Räumen auch in Zukunft sicherzustellen.”
Die Grünen-Abgeordnete Katharina Binz sieht andere Aktionen als die Quote im Vordergrund, um die Arbeit als Landarzt attraktiv zu machen. “Dazu gehört, das Berufsbild des Landarztes auch den veränderten Bedürfnissen der Menschen anzupassen”, sagte Binz. Beruf und Familie könnten mit mehr Angestelltenverhältnissen besser vereinbar sein. Die Quote wirke auch erst nach zehn bis zwölf Jahren. Die Frage sei zudem, ob sie verfassungsfest sei, weil prinzipiell eine freie Wahl des Arbeitsplatzes bestehe.
Dreyer steht der Quote positiv gegenüber
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sieht keine Hürden für die Quote: “Es wird keine gesetzlichen Veränderungen geben. Es ist inzwischen geklärt, dass es rechtlich geht. Die Landarztquote hält sie für sinnvoll. diese könne ein Mosaikstein in einem Bündel von Maßnahmen sein. Vielleicht noch wichtiger sei es, Fördermittel auch für Ärztegenossenschaften zu öffnen.
Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler geht davon aus, dass es noch genug Ärzte in Rheinland-Pfalz gibt, sie warnt aber vor Lücken. Ihr mache der Altersdurchschnitt und die geringe Zahl derer, die sich für eine Praxis auf dem Land entscheiden, Sorgen. Das Durchschnittsalter der Hausärzte lag 2015 in Rheinland-Pfalz laut KV bei 56 Jahren, zehn Jahre zuvor noch bei 51. Bätzing-Lichtenthäler kann sich vorstellen, die ausgewählten Landärzte dort einzusetzen, wo es besonders notwendig ist. Wenn jemand das Studium früher abbricht, soll es Sanktionen in Form von Rückzahlungen geben.
KV skeptisch – Krankenkassen für Quote und weitere Schritte
Die Kassenärzte sehen eine Quote skeptisch. “Wir befürchten bei Landarztquoten erhebliche Mitnahmeeffekte”, sagte KV-Sprecher Rainer Saurwein. Es wäre fatal, wenn die Studenten Fachgebiete einschlagen und sich dann später in höheren Semestern herausstelle, dass ihnen diese Fachrichtungen gar nicht liegen.
Die Barmer Krankenkasse hält eine Landarztquote für den richtigen Schritt, der aber nicht ausreiche. Ärzte sollten in strukturschwachen Regionen die Möglichkeit erhalten, ihre Praxis-Zulassung in ein Angestelltenverhältnis umzuwandeln – nicht nur in einem medizinischen Versorgungszentrum, sondern auch in einer Eigeneinrichtung der KV oder in einem regionalen Versorgungsverbund. Die Techniker Krankenkasse bringt regionale Zuschläge für Gebiete mit Ärztemangel ins Spiel.

1.8.2018, Mainz 17:19 Uhr

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz:

Die Ärzte in Rheinland-Pfalz werden immer älter, Nachwuchs fehlt. Wie die Landesärztekammer am Mittwoch den 1.8.2018 mitteilte. Dies geht aus einer Auswertung der Ärztestatistik 2017 hervor. “Die Schere zwischen Alt und Jung geht immer mehr auseinander”, teilte Sprecherin Ines Engelmohr mit. Die Statistik zeige einen deutlichen Abwärtstrend in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen. Deren Anteil sank demnach zwischen 2000 und 2017 von 18,2 auf 10,8 Prozent – das macht ein Minus von mehr als 40 Prozent. Die Gruppe der 60- bis 65-Jährigen wuchs im selben Zeitraum von 3,9 auf 7,4 Prozent. Dies ist fast eine Verdoppelung. Mittlerweile sei beinahe jeder zweite berufstätige Arzt älter als 50 Jahre, heißt es aus der Landesärztekammer.