Vorweg:

Meine Antwort war ursprünglich als Kommentar zur Antwort von fraglichgedacht, ist aber für einen Kommentar etwas ausgeufert.Ich hoffe, du findest auch so ein paar für dich nützliche Elemente.

Wieso sollte der Lehrer Recht haben, wenn er so generell die Legitimation für eine autoritäre Staatsführung oder gar eine Erziehungsdiktatur liefert ?

Schon was der “Mehrheitswille” in einer bestimmten politischen Frage ist, ist ja – abgesehen von Volksentscheiden über ein bestimmtes, guteingegrenztes Problem – nicht klar.

Denn bei Wahlen wird ja über Partei(kandidat)en abgestimmt, ohne dass man mit der Gesamtheit der programmatischen Positionen der von einem selbst gewählten Partei übereinstimmen müsste.

(Das ist m. E. übrigens ein gutes Argument für Volksentscheide.)

Was nun das “Gemeinwohl” ist, bleibt erst recht weitgehend im Nebel. Es ist schön, wenn Politiker das Bekenntnis ablegen, nicht nur oder nicht in erster Linie Partikularinteressen vertreten zu wollen und sich dem “Gemeinwohl” verpflichtet zu fühlen.

Als Normalbürger hoffen wir natürlich, dass das “Gemeinwohl” auch ein Stück unser eigenes Wohl sein müsste, denn wir gehören ja zum “gemeinen Volk”. Da käme es nun wirklich nicht gut rüber, wenn einer von vornherein ankündigen würde, Minderheitsinteressen zu vertreten (ein Verdacht, der ja die FDP mehr oder weniger versenkt hat).

Zur Demokratie gehört deshalb, ein immer nur relatives, vorläufiges “Gemeinwohl” in Wahlen und öffentlichen/ parlamentarischen Diskussionen ermitteln zu lassen – m. a. W.: Der Mehrheitswille ist eine Quelle eines demokratisch ermittelten “Gemeinwohls”.

Wenn euer Lehrer behauptet, und zwar ganz grundsätzlich behauptet, “zwischen Mehrheitswillen und Gemeinwohl” lägen “Welten”, dann ist er einer von diesen von CSHH1978 erwähnten gefährlichen Spinnern, die glauben, besser zu wissen, was für die Leute gut ist als diese Leute selbst.

Mit Berufung auf das Gemeinwohl möchte er wohl der uneinsichtigen Mehrheit am liebsten Vorschriften machen oder sie solange bequatschen, bis sie nachgibt.

(Vgl zu diesem Politikstil die Medienkampagne vor dem Brexit oder jetzt vor dem CETA.)

Einer wie dein Lehrer wird sich bei Bedarf gegen die Mehrheit eines Wahlvolkes feierlich auf “die Menschheit”, gern auch auf “die Kinder” (die ja angeblich “unsere Zukunft” sind) oder gleich auf die Interessen der künftigen Generationen berufen.

Die können sich gegen seine Anmutungen schließlich am wenigsten wehren.