Wenn Gesundheitspolitiker neuerdings von Patientenströmen reden, dann gestehen sie damit ein, dass ihr Handeln in den letzten Jahrzehnten von Fehleinschätzungen geleitet war, meint der Arzt und 1. Vorsitzende des Vereins Gesundheit und soziale Verantwortung, Eike Heinicke.
Einen Mangel über eine neue Telefonzentrale und „offene Sprechstunden“ zu lösen führt eher zu weniger Qualität für die medizinisch Versorgung.
Die Politik hat über Kassenärztliche Vereinigungen und den gemeinsamen Bundesausschuss großartige Barrieren gegen die Ärzteschwämme errichtet, nun müssen sie erkennen, dass es vor und hinter der Barriere viel zu wenig Ärzte gibt. In diesen Tagen erleben wir wie Bäche bei Hochwasser sich neue Wege suchen. Gleichermaßen suchen sich die Patienten nun ,ungezügelt’ neue Wege und überlasten Notdienstzentralen und Facharztpraxen (nächster Termin- November!), quasi naturgewaltig. Notdienst Nummer 116117 und die ,offenen‘ Sprechstunden des Minister Span können das qualitative Problem unseres Gesundheitssystems nicht lösen. Seit 2004 dürfen zu Lasten der Krankenkassen nur noch Medikamente mit Nebenwirkungen verschrieben werden. Das Alleinstellungsmerkmal der hausärztliche Medizin ist das Gespräch und war, auch mit nebenswirkungsarmen,
wirksamen Medikamenten eine Patienten und Ursachen zugewandte Medizin zu betreiben, wie auch bei Kinder- und Frauenärzten, wurde geopfert, dafür fehlte damals das Geld. Eine dem Problem zugewandte Medizin von Klinik und Spezialisten wurde nicht begrenzt, diese brauchte schon immer
,kräftigere‘ teure Pharmakologie.
So fehlt der Medizin vor Ort die Attraktion und der Zulauf: Von 2004-2013 schlossen circa 2000 Hausärzte ihre Praxis und etwas mehr als 7000 Fachärzte ließen sich in Deutschland neu nieder.
Hier rächte sich, daß viele Jahre Fachkollegen die kassenärztlichen Vertretungen leiteten.
Über eine antiquiertes zeitsparendes Abrechnungssystem entsteht eine symptomorientierte Behandlung, die die Zahl der chronischen Patienten noch vermehrt. Unser Verein fordert seit Jahren die ideelle Aufwertung der Hausärzte nicht zuletzt über integrierte Lehrstühle für Gesundheit an allen Universitäten. Die personelle Kapazität für Lehre und Forschung für Fach- und Hausärzte an der Universität Mainz steht in einem Verhältnis von 1000:20 (Quelle: unimedizin-mainz.de; 2017).
Jens Span und Kassenärztliche Vereinigung müssen sich mit den Betroffenen, den Patienten zusammensetzen, den die sind in den offiziellen Gremien überhaupt nicht vertreten!